Erfolgreiches Online-Marketing kann wie eine Rakete verstanden werden, die auf dem Weg zum Mond mehrere Stufen benötigt, um zum Ziel zu gelangen. Mit der Suchmaschinenoptimierung existiert eine erste Stufe, die als wichtige Basis dafür sorgt, dass die Reise überhaupt erst angetreten werden kann. Diese alleine reicht aber noch nicht aus, um am Ziel anzukommen. Im Gegenteil: Die Erdanziehung würde ohne weiteren Antrieb für einen Absturz sorgen. Eine weitere Stufe ist also unbedingt erforderlich, damit das Ziel erreicht werden kann.
Das Zusammenspiel entscheidet
Nein, erfolgreiches Online-Marketing ist keine Raketenwissenschaft. Allerdings kommt es auch hier auf ein perfektes Zusammenspiel unterschiedlicher Techniken (Stufen) an, deren Bedeutung ernst genommen werden will. Es wäre fatal, sich auf eine nicht geprüfte und wahrscheinlich fehlerhafte zweite Stufe zu verlassen, wenn das Ziel erreicht werden soll. Andernfalls wären die Investitionen in eine gute erste Stufe aus dem Fenster geworfen.
Es kann also nicht sein, dass die Reisenden, die über die Suchmaschinenoptimierung zu Besuchern wurden, nach der Hälfte Ihres Weges alleine gelassen werden. Wir müssen dafür sorgen, dass sie aktiv beim Erreichen der Ziele mitwirken. Und das kann nur mit einer optimalen zweiten Stufe geschehen. Nur diese kann sicherstellen, dass die Besucher die Website bedienen können, dass sie sich sicher und wohl fühlen und somit auch eine ausreichende Motivation aufbauen können, die Reise zum Ziel auf diesem Weg weiter fortzusetzen.
Dies erreichen Sie nur, wenn Ihre Website optimal auf die Bedürfnisse der Besucher zugeschnitten ist. Die Interaktion muss zudem auch noch Spaß machen. Bei der positiven Erfahrung der Nutzer spricht man auch von einer optimalen User Experience. Der Vorgang zur Optimierung der User Experience wird auch User Experience Optimization, genannt, kurz UXO.
Das, was im beschriebenen Beispiel für die Rakete das Ziel darstellte, der Mond, ist für den reisenden Website-Besucher die Conversion. Mit ihr werden die wirtschaftlichen Ziele einer Website definiert. Umso problematischer, dass für viele Unternehmen diese Ziele oftmals gar nicht klar definiert sind.
Ein Beispiel aus der Offline-Welt
Ganzen Artikel lesen...
Stellen Sie sich vor, Sie sind der Verantwortliche in Ihrer Firma. Verantwortlich dafür, dass Interessenten bei Ihnen vorbei kommen und etwas kaufen. Aha, Sie sitzen also in der Marketing-Abteilung. Doch irgendwie klappt es nicht so, wie sich Ihr Chef (ein bulliger Kerl von über zwei Metern) das wünscht. Er scheint schon länger zu beobachten, wie die Konkurrenten das machen. Seitdem diese nämlich die Hinweisschilder auf der Hauptstraße aufgestellt haben, bleiben Ihnen die Interessenten aus. Alle laufen zur Konkurrenz, weil man die jetzt offenbar leichter finden kann. Natürlich will Ihr Chef jetzt auch so etwas haben. So ein Schild auf der Hauptstraße. Und am besten gestern. Am Ortseingang, damit es vor allen anderen gesehen wird. Sie machen sich also auf, besorgen ein Schild, auf dem in großen Lettern der Firmenname steht, und stellen es an der Hauptstraße auf.
Können Sie soweit noch folgen? Genau, Sie haben gerade eine Suchmaschinenoptimierung durchgeführt. Und wirklich, es hat sich etwas getan: Sie blicken aus dem Fenster und entdecken unzählige Interessenten, die endlich den Weg zu Ihrem Unternehmen gefunden haben. Alles scheint gut. Sie lehnen sich zurück und denken, welch ein Glück Ihr Chef doch mit Ihnen hat.
Doch es kommt anders, als gedacht: Ihr Chef stiefelt mit schweren Schritten in Ihr Büro und möchte wutentbrannt wissen, wann Sie denn gedenken, Ihre Arbeit aufzunehmen. Wenn nicht bald etwas verkauft werden würde, müsse er wohl Mitarbeiter entlassen!
Sie verstehen die Welt nicht mehr. Was war denn bloß passiert? Offenbar sind die willigen Interessenten bis zur Eingangstüre gekommen. Aber warum hat keiner an der Türe geklingelt? Völlig verstört stolpern Sie zum Eingang, um sich die Sache etwas genauer anzusehen.
Und in der Tat stimmt da etwas nicht: Der Klingelknopf. Der hängt viel zu hoch. Offenbar hatte der Chef ihn gemäß seiner Körpergröße abringen lassen, ohne darüber nachzudenken, ob die Kunden überhaupt dorthin gelangen können. Man könnte auch sagen, dass eine schlechte User Experience verhinderte, dass der Interessent zu einem Kunden wurde. Und das obwohl dieser bereits vor der Türe stand.
Es bleibt Ihnen nichts anderes übrig: Sie müssen mit ihrem Chef reden und ihm sagen, dass Sie aus Erfahrung wüssten, dass das so nicht klappen kann. Sie haben soeben eine heuristischen Evaluierung durchgeführt – eine Bewertung, die auf Annahmen vergleichbarer Situationen basiert. Ihr Chef winkt allerdings schon bei den ersten Worten ab, die Klingel hätte sich schon immer da befunden, und wenn man da drankommen wollte, dann würde man das auch schaffen.
Da kommt Ihnen die Idee, das Video der Überwachungskamera zu untersuchen. Vielleicht lassen sich dort ja einige Interessenten finden, die beim Versuch die Klingel zu betätigen, scheiterten. Und siehe da, Sie müssen gar nicht lange suchen und finden schon den Ersten, der es aufgrund seiner Körpergröße nicht schafft, die Klingel zu erreichen. Das Ergebnis dieses Live-Tests mit realen Nutzern lässt sich auch vom Chef kaum noch ignorieren: Er gibt Ihnen die Anweisung, den Klingelknopf weiter nach unten zu setzen.
Endlich: Die ersten Interessenten klingeln an der Türe. Jetzt nur keinen Fehler machen. Stimmen die Preise? Wird auch das angeboten, was der Interessent erwartet? Machen alle beteiligten einen seriösen Eindruck? Sie möchten sich gar nicht vorstellen, wie viele Menschen vor den Türen Ihres Unternehmens standen, nicht hereingekommen sind und dies aufgrund ihrer schlechten Erfahrung auch nie wieder versuchen werden.
Eines ist aber klar: Die SEO konnte nur im Zusammenspiel mit der UXO (User Experience Optimization, zu deutsch: Optimierung der Benutzeransprache) einen begehbaren Pfad bis zur Ziel, nämlich zur Conversion errichten.

Dieser Text ist dem Buch “Suchmaschinenoptimierung & Usability” von Steven Broschart entnommen, das im Franzis-Verlag erschienen ist. Das Buch ist
hier direkt bestellbar.

Steven Broschart
Lernen Sie die ganze Vielfalt vom Franzis Buch- und Softwareverlag kennen